Oviva Direkt

APP Icon Oviva Direkt
Schwerpunkt
Adipositas (vorläufig)
Plattform
App
Herausgeber
Oviva AG
Oviva Direkt ist eine App für Patientinnen und Patienten mit Adipositas, die durch eine Ernährungsumstellung sowie die Integration von mehr Bewegung und Sport in den Alltag bei der Gewichtsreduktion unterstützt. Durch Verhaltensänderungen soll das reduzierte Gewicht anschließend langfristig gehalten werden.

Informationen

  • App (Android, iOS)
  • Vorläufig aufgenommen (Datum der Aufnahme: 03.10.2021; Ablauf der vorläufigen Aufnahme: 02.07.2023)
  • https://oviva.com/de/de/direkt/
  • Hersteller: Oviva AG
  • Kosten für Patienten/Patientinnen: 0€
  • Kosten für die Gesetzliche Krankenkasse: 445€/90 Tage (= 4,95€/Tag)
  • App (Android (mind. 6.0.0), iOS (mind. 13.0))
  • Vorläufig aufgenommen (Datum der Aufnahme: 03.10.2021; Ablauf der vorläufigen Aufnahme: 02.07.2023)
  • https://oviva.com/de/de/direkt/
  • Für einen Testzugang: https://oviva.com/de/de/fachkreise/#testzugang-anfordern
  • Hersteller: Oviva AG
  • Kosten für Patienten/Patientinnen: 0€
  • Kosten für die Gesetzliche Krankenkasse: 445€/90 Tage (= 4,95€/Tag)
  • Kosten für Ärztinnen/Ärzte: 0€ (extrabudgetäre Vergütung, EBM-Ziffern siehe FAQ Link)
  • Adipositas (= krankhaftes Übergewicht), BMI zwischen 30 und 40 kg/m2
  • Alter > 18 Jahre
  • Motivation für eine Gewichtsreduktion
  • Grundlegende Kenntnisse im Umgang mit einem Smartphone
  • Adipositas (E66), BMI zwischen 30 und 40 kg/m2
  • Alter > 18 Jahren
  • Motivation für eine Gewichtsreduktion
  • Grundlegende Kenntnisse im Umgang mit einem Smartphone

Bei Vorliegen einer der folgenden Erkrankungen:

  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Diabetes mellitus (Typ 1)
  • Andere hormonelle Erkrankungen
  • Essstörungen
  • Andere schwere psychische Erkrankungen
  • BMI  > 40 kg/m2
  • Vor kurzem durchgeführte bariatrische Operation (bspw. eine Magenverkleinerung)
  • Schwangerschaft/Stillzeit

Und bei einem Alter < 18 Jahren (siehe FAQ: „Gibt es DiGAs auch für Kinder und Jugendliche?“).

    Bei Unklarheiten diesbezüglich sprechen Sie einfach Ihren/Ihre behandelnde(n) Arzt/Ärztin an oder melden Sie sich bei uns.

    • Sonstige Hypothyreose (E03)
    • Diabetes mellitus, Typ 1 (E10)
    • Unterfunktion und andere Störungen der Hypophyse (E23)
    • Cushing-Syndrom (E24)
    • Aktive Essstörungen
    • Andere schwere psychische Erkrankungen (insbes. Drogen-/Alkoholmissbrauch)
    • BMI > 40 kg/m2
    • Vor kurzem durchgeführte bariatrische Operation (bspw. Magenverkleinerung)
    • Schwangerschaft/Stillzeit
    • Alter < 18 Jahren (Link ins FAQ, dass noch keine DiGA für Kinder/Jugendliche)

    Bei Unklarheiten melden Sie sich gerne auch bei uns.

    Oviva Direkt soll Ihnen dabei helfen, langfristig (also nicht nur kurzfristig mit anschließender erneuter Gewichtszunahme) Gewicht zu verlieren. Ziel ist einer Reduktion um 3% vom Ausgangsgewicht innerhalb von 12 Wochen, also 3 Monaten. Erreicht werden soll dies durch eine dauerhafte Änderung von Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, die Sie auch über die Nutzung der App hinaus beibehalten sollen. Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, Oviva Direkt für weitere 3 Monate zu nutzen (siehe „Wie ist meine Ärztin oder mein Arzt in die Behandlung eingebunden?“).

    Oviva Direkt soll den Patientinnen und Patienten langfristig zu einer Gewichtsreduktion verhelfen. Ziel ist einer Reduktion um 3% vom Ausgangsgewicht innerhalb von 12 Wochen. Erreicht werden soll dies durch eine Änderung von Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten sowie Formen der Verhaltenstherapie bzw. ein verbessertes Krankheits- und Selbstverständnis.

    Die App ist eine Art alltäglicher Begleiter in Form eines Tagebuchs, der unabhängig von Arztkontakten dazu motiviert, seine Ernährung umzustellen und mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. Das soll durch das Dokumentieren von Mahlzeiten, das Aufzeichnen von Bewegungseinheiten und diverse Lerneinheiten erfolgen. Um Sporteinheiten und absolvierte Schritte einfacher in der App aufzuzeichnen, bietet Oviva Direkt die Möglichkeit, seine Fitbit-Uhr zu synchronisieren. Bislang scheint es allerdings nicht möglich zu sein, Pulsuhren oder Smartwatches anderer Hersteller einzubinden (Stand: 04.11.2022). Alternativ kann man die Apple Health-App mit Oviva Direkt koppeln. Im Rahmen von Videos und kurzen Texten werden Informationen über gesunde Ernährung, Verhalten und Gewichtszunahme begünstigt und viele weitere hilfreiche Tipps vermittelt.


    Darüber hinaus bietet die DiGA eine Chat-Funktion, über die man Ernährungsberatung erhalten oder weitere Fragen klären kann. Dazu ist auch ein Telefongespräch mit einer reellen Ernährungsberaterin oder einem Ernährungsberater vorgesehen, das für unterschiedliche Inhalte genutzt werden kann.

    Die App soll Patientinnen und Patienten als alltäglicher Begleiter dabei motivieren, ihre Ernährung umzustellen und sich regelmäßig zu bewegen, sowie darüber hinaus wissenschaftlich fundierte Informationen vermitteln. In Videos und kurzen Texten werden Inhalte zu Nährstoffen, Kalorienbilanzierung aber auch Inhalte aus der Verhaltenstherapie thematisiert, die dazu beitragen sollen, dass die Verhaltensänderung nachhaltig ist und die Gewichtsreduktion Bestand hat. Kernelement der App ist dabei eine Art Tagebuch, in der Mahlzeiten, Bewegungseinheiten und weitere Elemente wie bspw. der Blutdruck dokumentiert werden können. Vor dem Hintergrund einer hohen Komorbidität von Adipositas und arterieller Hypertonie bietet Oviva Direkt daher auch eine simple Möglichkeit, Blutdruckwerte standardisiert zu erheben und der Patientin oder dem Patienten ggf. sogar die positiven Effekte der Gewichtsreduktion auf ihren/seinen Blutdruck zu veranschaulichen (Stichwort: Selbstwirksamkeit stärken). Für eine vereinfachte Aufzeichnung von Sporteinheiten und absolvierten Schritten ist es möglich, eine Fitbit-Uhr mit Oviva Direkt zu koppeln. Allerdings scheint es bislang nicht möglich zu sein, Pulsuhren oder Smartwatches anderer Hersteller zu synchronisieren (Stand: 04.11.2022). Alternativ ist es möglich die Apple Health-App mit Oviva Direkt zu koppeln. Allerdings fehlt uns bislang ein Algorithmus, der regelmäßige Dokumentationen erkennt und den Nutzerinnen und Nutzern der App anbietet, gleiche Eingaben automatisch einzutragen (bspw. weil jeden Dienstag zwischen 17:30 und 18:30 eine Walking-Runde absolviert wird oder weil jeden Morgen ein Glas mit 300ml Leitungswasser getrunken wird), oder zumindest die Möglichkeit, händisch eine Art Regel zu formulieren, nach der immer gleiche Sporteinheiten oder Mahlzeiten dokumentiert werden können. Da das Dokumentieren über die Zeit einen erheblichen Aufwand darstellt, könnte eine solche Funktion ggf. verhindern, dass die Nutzung von Oviva Direkt aufgrund von (vermeintlich) zu hohem zeitlichen Aufwand beendet wird.


    Darüber hinaus bietet die DiGA eine Chat-Funktion, die bei Fragen auch außerhalb von Arztkontakten Ansprechpartner oder Ansprechpartnerinnen bereithält, und es besteht die Möglichkeit, persönlichen Kontakt zu menschlichen Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberatern aufzunehmen.

    Die Hersteller einer DiGA sind gesetzlich verpflichtet, einen technischen Support anzubieten, der innerhalb von 24 Stunden Rückmeldung gibt. Dabei kann es sich sowohl um inhaltliche Fragen als auch technische Fragen handeln.
    Grundsätzlich dürfen Sie sich gerne auch bei uns melden (info@digadocs.de).

    Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt stellen Ihnen in den meisten Fällen ein Rezept für Oviva Direkt aus. Dieses müssen Sie anschließend bei Ihrer Krankenkasse einreichen (Link FAQ). Während der Nutzungsdauer von 90 Tagen benötigen Sie Ihren verordnenden Arzt oder Ihre verordnende Ärztin in der Regel nicht. Allerdings sollten Sie möglicherweise direkt bei der Erstausstellung des Rezeptes für die DiGA einen Termin für in drei Monaten vereinbaren, wenn die Nutzung der DiGA endet. Dann haben Sie die Möglichkeit, direkt in der Oviva Direkt App einen Arztbericht in PDF-Format zu erstellen und diesen an die Arztpraxis zu übermitteln. Im Rahmen des Folgetermins können Sie gemeinsam die Nutzung der DiGA anhand des Berichts auswerten und über eine erneute Verordnung entscheiden.

    Prinzipiell reicht es, wenn Sie der Patientin oder dem Patienten ein Rezept für Oviva Direkt ausstellen (Hinweise zu Abrechnungsziffern nach EBM finden Sie unter folgendem Link FAQ). Allerdings ist es vorher sicherlich sinnvoll, die Motivation für eine Gewichtsreduktion abzuklären bzw. bei mangelnder Motivation durch das Aufzeigen der (statistisch sehr wahrscheinlichen) gesundheitlichen Folgeschäden eine Bereitschaft zur Gewichtsreduktion herzustellen.
    Im Anschluss an die Erstverordnung von Oviva Direkt ergibt es aus unserer Perspektive Sinn, direkt einen Folgetermin für in etwa 3 Monaten zu vereinbaren, so dass zeitgleich mit Ablauf des ersten Nutzungszeitraums ein Evaluationsgespräch erfolgen kann. Dafür ist es möglich, dass die Patienten direkt in der Oviva Direkt App einen Arztbericht in PDF-Format erstellen und Ihnen übermitteln. Dieser könnte dann Grundlage für die gemeinsame Entscheidung bilden, ob Oviva Direkt erneut verordnet werden soll.
    Während der Nutzung spielen die verordnende Ärztin bzw. der verordnende Arzt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Sicherlich kann es passieren, dass Patientinnen und Patienten mit Fragen auf Sie zukommen. Da die Hersteller gesetzlich verpflichtet sind, einen technischen Support anzubieten, der auf Fragen innerhalb von 24 Stunden antwortet, können Sie bei Fragen zur Funktionsweise von Oviva Direkt auch auf diesen Support verweisen.

    Neben der Funktion eine PDF-Datei aus der App heraus zu generieren und diese in der Patientenakte zu hinterlegen, kann die Patientin/der Patient einen Export der Daten in Auftrag geben. Über einen per Mail versandten Download-Link stehen im Anschluss alle in Oviva Direkt gespeicherten Daten im FHIR-Format (Fast Healthcare Interoperability Resources) zur Verfügung. Die Interoperabilität von Digitalen Gesundheitsanwendungen ist zwingende Voraussetzung und  Bestandteil der gesetzlichen Regulatorik. Wir selbst sind zurzeit noch am Testen, in welcher Form Ärztinnen und Ärzten diese Rohdaten nutzen und in zusätzliche Software importieren können.

    Um als Digitale Gesundheitsanwendung in Deutschland gelistet zu werden, müssen die Hersteller positive Effekte nachweisen, die Patientinnen und Patienten durch die Nutzung der DiGA erfahren (Link zum FAQ). Dafür haben die Hersteller 1 Jahr Zeit (daher ist Oviva Direkt bislang nur vorläufig ins DiGA-Verzeichnis aufgenommen). Dementsprechend können wir bislang wenig Aussagen darüber treffen, ob die Nutzung tatsächlich eine Gewichtsreduktion um 3% mit sich bringt. Der Blick auf die Informationen, die bislang zur aktuell in der Durchführung befindlichen Studie vorliegen, zeigt aber zumindest, dass die Studie wissenschaftlich korrekt aufgebaut ist.
    Darüber hinaus entsprechen die Inhalte von Oviva Direkt (Ernährungsumstellung, Steigerung von Bewegung, Verhaltensänderungen) denen, die die ärztliche Behandlungsleitlinie für Adipositas empfiehlt.

    Da die Inhalte von Oviva Direkt (multimodales Behandlungskonzept aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie kombiniert mit Krankheitsedukation) denen entsprechen, die die S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie von Adipositas vorsieht, kann man davon ausgehen, dass es sich bei Oviva Direkt um eine sinnvolle und wissenschaftlich fundierte Therapieoption handelt.
    Als bislang nur vorläufig gelistete DiGA, fehlt für Oviva Direkt noch der Nachweis über einen positiven Versorgungseffekt (Link FAQ). Diesen muss der Hersteller allerdings innerhalb eines Jahres nach vorläufiger Listung in Form einer bereits vorher angemeldeten Studie erbringen.
    Im Rahmen dieser randomisierten Studie möchte der Hersteller einen medizinischen Nutzen durch eine Verbesserung des Gesundheitszustandes (bewirkt durch eine Gewichtsreduktion von 3% im Vergleich zum Ausgangsgewicht) belegen. Die Interventionsgruppe nutzt Oviva Direkt für 12 Wochen. Die Kontrollgruppe erhält keine Intervention, was dem Hersteller zufolge der Versorgungsrealität entspricht, darf allerdings nach Ablauf der 12 Wochen ebenfalls Oviva Direkt nutzen.

    Stärken der Studie

    • Primärer Endpunkt (Gewichtsreduktion in kg) klar messbar
    • Vorhandene Randomisierung

    Schwächen der Studie

    • Fehlende Verblindung (schwer realisierbar, da eine Form der Dummy-DiGA nötig wäre)
    • Durch fehlende Verblindung eventuelle sinkende Bereitschaft für alternative Maßnahmen zur Gewichtsreduktion in Kontrollgruppe, da bereits Wissen, im Anschluss Oviva Direkt nutzen zu dürfen (Hemkens 2021, S. 1273)


    Die zurzeit in der Durchführung befindliche Studie bietet insgesamt schon Anlass zu Kritik, welche der grundsätzlichen Kritik am Zulassungsverfahren für Digitale Gesundheitsanwendungen entspricht. So heißt es, dass insbesondere im Vergleich zum Zulassungsverfahren für Arzneimittel ein beschleunigtes Verfahren auf Kosten wissenschaftlicher Kriterien implementiert worden sei. Fehlende Verblindung wie auch die Frage, ob eine Kontrollgruppe wirklich gänzlich ohne Intervention tatsächlich der Versorgungsrealität entspricht, sind nachvollziehbare Kritikpunkte. Die Hersteller halten allerdings im Allgemeinen entgegen, dass Zulassungsverfahren von Arzneimitteln und Apps nicht in allen Punkten miteinander vergleichbar seien und sich eine Verblindung nur mithilfe von Dummy-Apps erreichen ließe, ein verglichen mit der Produktion einer Placebo-Tablette deutlich erhöhter Aufwand.
    Die Studiendaten aus der Zulassungsstudie von Zanadio, einer mittlerweile dauerhaft gelisteten DiGA für die Therapie von Adipositas, belegen für Zanadio eine signifikante Gewichtsabnahme.

    Im Rahmen der Auswertung mittels Per-Protokoll-Analyse (PP), die alle Nutzerinnen und Nutzer der App ausschließt, die sich nicht vollständig an das Studienprotokoll gehalten haben, ist ein stärkerer Gewichtsverlust erzielt worden als es die Auswertung mittels Intention-to-treat-Analyse (ITT) zeigen konnte (LINK zur Zanadio-Unterseite). Das mag legitim sein, weil es die Qualität der Ergebnisse verbessert und Datenunsauberkeiten bereinigt, allerdings bildet die ITT-Analyse die Versorgungsrealität sicherlich eher ab. Denn es ist davon auszugehen, dass nicht alle Patientinnen und Patienten, die eine DiGA verordnet bekommen, diese tatsächlich so nutzen, wie vom Hersteller vorgesehen, oder die Nutzung sogar gänzlich abbrechen. Wie groß der Anteil dieser Nutzerinnen und Nutzer in Zukunft sein wird und wie sehr das den positiven Effekt von Adipositas-DiGA auf die Gesundheitsversorgung beeinträchtigt, bleibt daher zunächst abzuwarten.

    Die Behandlung von Übergewicht und Adipositas in Deutschland erleben viele betroffene Patientinnen und Patienten als unbefriedigend. Das dürfte vor allem an der lückenhaften Versorgung liegen. So gibt es keinen speziellen Facharzt und die Behandlung wird – wenn überhaupt – von Hausärzten übernommen. Es gibt zwar vereinzelt spezielle Behandlungszentren (häufig an Krankenhäuser angeschlossen), allerdings richten sich diese fast ausschließlich an Patientinnen und Patienten mit starkem Übergewicht (häufig BMI > 40 kg/m2). Darüber hinaus gibt es (mit einer Ausnahme) keine Medikamente oder konkrete Behandlungspläne, sodass Hausärzte häufig nur Folgeerkrankungen des Übergewichts (Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Diabetes mellitus, Gelenkprobleme) behandeln. Übergewicht in den Anfangsstadien als Ursache wird vom deutschen Gesundheitssystem bislang oft „übersehen“.
    Es ist zwar auch außerhalb von Digitalen Gesundheitsanwendungen möglich, Ernährungsberatung auf Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung zu verordnen, allerdings kommt es dabei oft zu Problemen, da die Kassen nicht immer und wenn dann auch nur in Teilen die Kosten erstatten. Patientinnen und Patienten bleiben immer wieder auf Kosten sitzen, sofern sie nicht vorher mühsam eine Kostenübernahme mit ihrer Krankenkasse abgeklärt haben.
    Bedingt durch mangelnde Ansprechpartner und fehlende konkrete Angebote für Patientinnen und Patienten mit Adipositas, bleibt es häufig bei von den Patientinnen und Patienten selbst initiierten Versuchen, über kostenfreie oder kostenpflichtige Diätpläne oder mit speziellen Diätmahlzeiten (sogenannte Formula-Diäten) das Gewicht zu reduzieren, ohne dabei Betreuung zu erhalten, sodass oftmals nur kurzfristige Gewichtsreduktionen erzielt werden und langfristig das Gewicht wieder ansteigt.
    Oviva Direkt bietet vor diesem Hintergrund sicherlich ein sinnvolles Gesamtpaket, das die Behandlung vereinfacht – und das in der Theorie zu jedem Zeitpunkt, aus medizinischer und auch aus unserer Perspektive gerne so früh wie möglich, um Folgeerkrankungen von Beginn an zu verhindern.

    Alternativ stellt mit Zanadio eine weitere DiGA eine Alternative zur Adipositas-Therapie dar.

    Die Adipositas-Therapie in Deutschland erfolgt zurzeit nur selten standardisiert. Ohne konkret verantwortlichen Facharzt wird die Therapie – wenn überhaupt – häufig von Hausärzten koordiniert. Es gibt zwar vereinzelt Exzellenzzentren zur Adipositas-Therapie (häufig an Universitätskliniken angeschlossen), allerdings richten sich diese oftmals an Patientinnen und Patienten mit einem BMI ab 35 kg/m2 oder sogar erst ab 40 kg/m2. In dieser Hinsicht schließt Oviva Direkt tatsächlich eine Versorgungslücke.
    Die S3 Leitlinie zur Prävention und Therapie von Adipositas, die sich zurzeit in Bearbeitung befindet, stellt inhaltlich die Grundlage für die Inhalte von Oviva Direkt dar und empfiehlt eine Gewichtsreduktion um 5–10% des Ausgangsgewichts durch ein Energiedefizit von 500kcal/Tag. Betont wird auch hier, dass es sich um eine langfristige Gewichtsreduktion handeln muss und kurzfristige Rebound-Effekte zu vermeiden sind. Vor dem Hintergrund der Veröffentlichung vor Einführung von Digitalen Gesundheitsanwendungen werden bislang nur „analoge“ Programme zur Gewichtsreduktion empfohlen. Das wird sich zum einen mit der Überarbeitung sicherlich ändern. Zum anderen darf man trotz eines zunächst als absolut hoch erscheinenden Preises nicht außer Acht lassen, dass auch „analoge“ Programme vergleichbare Preise aufrufen.
    Ein weiteres Problem der derzeitigen medizinischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Adipositas ist bei der Verordnung von Ernährungsberatung zu beobachten. Zwar übernehmen die meisten gesetzlichen Krankenversicherungen Teile der Kurskosten, allerdings kommt es oft zu Problemen, da nur speziell zertifizierte Kurse erstattungsfähig sind und Patientinnen und Patienten auf den Kosten sitzen bleiben, sofern sie nicht vorher mühsam mit ihrer Krankenkasse die Erstattungsfähigkeit abgeklärt haben.
    Dadurch bleiben vielen betroffenen Patientinnen und Patienten am Ende nur häufig frustrane Versuche durch eigeninitiativ organisierte kostenfreie oder kostenpflichtige Diätprogramme, ggf. kombiniert mit Formula-Diäten (unseren Recherchen zufolge ohne Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen), die oftmals durch mangelnde Einbindung in weitere Therapiebausteine – wenn überhaupt – kurzfristige Gewichtsreduktionen bewirken.
    Oviva Direkt bietet so insgesamt sicherlich ein sinnvolles Gesamtpaket, welches in Teilen die Therapie vereinfacht, in Teilen sogar eine Versorgungslücke schließt.

    Alternativ bietet sich mit Zanadio eine weitere DiGA als Therapieoption an.

    Wir halten Oviva Direkt für eine sinnvolle DiGA. Denn das Behandlungskonzept wirkt umfassend und schlüssig und entspricht den ärztlichen Behandlungsleitlinien. Ob die Ergebnisse einer Studie zur dauerhaften Zulassung als Digitale Gesundheitsanwendung die Versprechen des Herstellers halten, bleibt abzuwarten – insbesondere ob tatsächlich eine dauerhafte Gewichtsreduktion erreicht werden kann. Denn das muss das langfristige Behandlungsziel bei Adipositas sein.
    Kritikpunkt an der Tagebuchfunktion ist primär ein technischer. So ist es über die Nutzungsdauer von Oviva Direkt zeitintensiv, alles ausführlich zu dokumentieren. Hier wäre es sicherlich möglich, über Algorithmen oder über zusätzliche Eingabefunktionen, regelhafte Einheiten (bspw. Pilates-Kurs jeden Dienstag von 18:30 – 19:30 oder 1 Glas Mineralwasser á 300 ml jeden Morgen um 7:00 Uhr) auch automatisiert einzugeben. Das spart Zeit und Aufwand und kann sicherlich zur Motivation, die App auch langfristig zu nutzen, beitragen.
    Und wir möchten an dieser Stelle nochmal betonen, dass Oviva Direkt Sie am Ende nur bei der Gewichtsreduktion unterstützen kann. Die Umsetzung, also die Veränderung von Ernährung und die Integration von mehr Bewegung und Sport in den Alltag, müssen Sie (leider) auch weiterhin selbst leisten.


    Pro

    • Umfassendes und schlüssiges Behandlungsprogramm bei Adipositas (auch im Bereich unterhalb BMI 40kg/m2)
    • Für Patientinnen und Patienten sichere Kostenübernahme
    • Smartphone macht Behandlung (über weite Strecken) unabhängig von Arztbesuchen und spart viel Wartezeit auf Termine
    • Persönlicher Kontakt per Telefonat zu Ernährungsberaterin/Ernährungsberater ist im Preis enthalten

    Contra

    • Bislang fehlender Nachweis durch eine Studie, die tatsächlichen Gewichtsverlust durch die Nutzung von Oviva Direkt belegt
    • Fehlende Automatisierung von regelhaften Eingaben (bspw. Pilates-Kurs jeden Dienstag von 18:30 – 19:30 Uhr)
      Mangelnde Einbindung von Pulsuhren/Fitness-Trackern zur Datenerfassung von anderen Herstellern außer FitBit

    Wir halten Oviva Direkt für eine sinnvolle DiGA. Denn das Konzept entspricht den Vorgaben der Leitlinie und die Zulassungsstudie wird aufgrund klar messbarer primärer Endpunkte deutlich aufzeigen können, ob die vorgesehene Nutzung der App eine Gewichtsreduktion bewirkt. Darüber hinaus schließt Oviva Direkt eine deutlich vorhandene Versorgungslücke in der Therapie von Adipositas in Deutschland.
    Nichtsdestotrotz sind wir gespannt, ob die Nutzung der DiGA auch ihren hohen Anspruch, eine langfristige Gewichtsreduktion zu bewirken, erfüllen kann. Daran wird sich der Hersteller messen lassen müssen, ebenso wie an der Beobachtung, wie hoch der Anteil der Patientinnen und Patienten ist, die Oviva Direkt tatsächlich auch wie vorgesehen nutzen und die Nutzung nicht abbrechen. Denn diese Zahlen sollten am Ende in die Bewertung der DiGA mit einfließen.
    Gelingt es, bei einer großen Zahl an Patientinnen und Patienten, die Oviva Direkt verordnet bekommen haben, eine langfristige Gewichtsreduktion zu erzielen, dann dürften die Kosten für die Nutzung die langfristigen Einsparungen durch weniger Folgeerkrankungen bei weitem unterschreiten.
    Und wir möchten an dieser Stelle nochmal betonen, dass Oviva Direkt die Patientinnen und Patienten am Ende nur bei der Gewichtsreduktion unterstützen kann. Die Umsetzung, also die Veränderung von Ernährung und die Integration von mehr Bewegung und Sport in den Alltag, müssen die Patientinnen und Patienten auch weiterhin selbst leisten.

    Pro

    • Umfassendes, wissenschaftlich fundiertes Therapieprogramm bei Adipositas (auch im Bereich unterhalb BMI 40kg/m2)
    • Für Patientinnen und Patienten sichere Kostenübernahme
    • Durch Nutzung per Smartphone Erhöhung der Selbstständigkeit und zeitlichen Unabhängigkeit der Patientinnen und Patienten
    • Persönlicher Kontakt per Telefonat zu Ernährungsberaterin/Ernährungsberater im Rahmen der DiGA-Nutzung (im Preis enthalten)

    Contra

    • Bislang fehlender Nachweis der tatsächlichen Gewichtsreduktion durch Nutzung von Oviva Direkt
    • Mangelnde Einbindung von Pulsuhren/Fitness-Trackern zur Datenerfassung jenseits von FitBit
    • Fehlender Algorithmus, der regelhafte Eingaben erkennt oder die Möglichkeit bietet, regelhafte Eintragungen als eine Art „Serientermin“ im Tagebuch zu notierten (bspw. weil jeden Morgen ein Glas mit 300ml Wasser getrunken wird)